Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon Cecilia » Sa 27. Aug 2011, 10:04

Liebe Forumexperten,

ich habe ein Angebot bekommen, für zwei Jahre als Lehrerin nach Paraguay zu gehen. Die Schule ist deutschsprachig und befindet sich im "Chaco". Das Gehalt würde für uns vier (mein Mann, zwei Töchter und ich) auf alle Fälle reichen und auch die Umzugskosten werden gezahlt. Das heisst: Der finanzielle Aspekt ist für uns nicht das Problem.

Wir machen uns vielmehr Gedanken um die gesundheitlichen Risiken. Ich habe gelesen, dass in den letzten Jahren verstärkt Dengue-Fieber-Fälle zu verzeichnen waren und dass man sich vor einem längeren Aufenthalt gegen Gelbfieber, Tollwut und Hepatitis A/B impfen lassen sollte. Malaria scheint in Paraguay kein Problem zu sein, jedoch muss man sich gegen Moskitos durch Cremes bzw. Moskitonetze schützen (wegen des Dengue-Fiebers).
Meine Frage an euch ist nun:
Ist das wirklich so dramatisch in Paraguay? Beachtet ihr all diese Gesundheitshinweise? Wie geht es euch mit all den exotischen Tieren, die auch ins Haus zu Besuch kommen können, w.z.B. Skorpione, Taranteln, Schlangen etc.?

Ich würde die Stelle gern antreten, jedoch möchte ich nicht die Gesundheit meiner Kinder riskieren. Könnt ihr mir Tipps geben?

Vielen Dank
Cecilia
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Re: Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon Paraguay Forum » Sa 27. Aug 2011, 20:02

Hallo Cecilia,

Schlangen und Scorpione gibt es, aber nicht wirklich viele. Da kommt nicht alle 5min etwas zur Tür reingekrochen. Mosquitos dagegen sind allgegenwärtig. Man kann sich mit Sprays und Cremes schützen, das darf man aber nie vergessen - und das kann schon lästig sein. Grad für Kinder, die den ganzen Tag am/im Pool zubringen wollen. Da müßte man nach jedem Bad den Schutz erneuern. Klar gehts auch ohne - aber eben nur bis zu dem Tag, an dem man dann Pech hat. Es gibt seit Kurzem auch einen neuen Typus des Denguefiebers in Paraguay, welcher gefährlicher ist, als die beiden bisherigen.

Ich würde mir allerdings viel eher Sorgen um Gesundheitsgefährdungen durch Mensche machen (hier mal klicken) - und um die medizinische Versorgung, die selbst in Asuncion (an europäischen Standards gemessen) so miserabel ist, dass selbst der Präsident (welcher hier ja sicher die bestmögliche Behandlung erhält) lieber nach Brasilien fliegt. Ich habe selbst hier mit heftigem Denguefieber in einem der (angeblich) besten Krankenhäuser Paraguays gelegen und und auch richtig europäische Preise für die Behandlung gezahlt - allerdings hätte ich mich in einer russischen Landambulanz in den frühen 80er Jahren besser aufgehoben gefühlt.

In Paraguay gibt es nur eine einzige Schule, die ein international anerkanntes Abitur anbietet - die Goethe-Schule in Asuncion. Aber auch nur dieser Abschluß wird anerkannt - geht man vor dem Abschluß zurück, werden die in Paraguay absolvierten Schuljahre in Deutschland nicht anerkannt. So eine Reise geht dann auf jeden Fall auf Kosten der Kinder.
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Re: Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon Cecilia » Sa 27. Aug 2011, 20:44

Vielen Dank für deine Antwort. Das hört sich ja alles nicht so gut an.

Das mit dem Schulabschluss wäre erst einmal nicht so das Problem, da unsere Töchter erst 5 bzw. 6 Jahre alt sind und wir nur zwei Jahre im Chaco bleiben würden.

Die Sache mit dem Dengue Fieber und der medizinischen Versorgung ist natürlich schon etwas heikler. Weisst du, ob die Dengue-Gefahr in Filadelfia, das ist der Ort, in dem wir wohnen und arbeiten würden, genau so hoch ist wie in Asunción?
Ich habe auch gehört, dass die Mennoniten relativ gute Ärzte bzw. Krankenhäuser haben und dass dort die Sicherheitslage bedeutend besser ist als im Rest des Landes. Stimmt das?
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Re: Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon Paraguay Forum » Sa 27. Aug 2011, 22:26

Zu Dengue und Filadelfia kann ich nichts Fundiertes sagen, ich wohne nicht dort.

Was die guten Ärzte und Krankenhäuser angeht - kann es nicht so weit her sein.
Ich habe noch kein Menno-Krankenhaus von innen gesehen, ich weiß aber, dass
es eine Menno-Krankenschwester gibt, deren einzige Aufgabe es ist, Mennos
zu betreuen und für diese zu dolmetschen, wenn diese nach Asuncion in ein
Krankenhaus kommen. Sie kommt dann jedes Mal selbst aus dem Chaco nach
Asuncion und bleibt dort so lange, wie Mennos dort behandelt werden. Sollten
die Ärzte und Krankenhäuser der Mennos so gut sein, stellt sich die Frage, warum
sie Kranke nach Asuncion bringen.

Ich vermute, dass da trotzdem Vieles fehlt. Die Menno-Kolonien sind nicht
grad riesig, teure und spezielle Dinge (MRT, CT, Intensivmedizin, Fachärzte) dürften
sich wirtschaftlich nicht lohnen.

Das muß halt jeder mit sich selbst ausmachen. Ich kenne hier viele Leute (auch Deutsche)
die nichtmal eine Krankenversicherung haben und trotzdem glücklich sind. Mir wärs halt nix.
un cordial salut
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Re: Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon Cecilia » Sa 27. Aug 2011, 22:34

Vielen Dank für deine schnelle Antwort.
Es scheint wohl doch sehr riskant zu sein, mit Mann und Mäusen nach Paraguay zu gehen.
Schade! Die angebotene Stelle würde ich wirklich gern antreten.

Vielleicht findet sich ja noch ein "Chaco-Experte" im Forum.
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Re: Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon energie » So 4. Sep 2011, 20:34

Hallo Cecilia,
ich hoffe, dass Du dich nicht von einem Forengespräch gleich von Deiner tollen Chance abbringen lässt.
Wenn Du Dich für diese Stelle interessierst, hast Du bestimmt bereits Informationen über Py vorliegen. Meine Frau wollte so etwas auch schon mal machen, war damals aber bereits über der Altersgrenze, die heute aber höher gesetzt wurde. Deshalb sind wir vor 2 Jahren dann auf eigene Faust nach Py ausgewandert. Soviel nur zur Person.
Zum Thema:
Mit dem Dengue wird hier viel Panik verbreitet! Das Risiko ist nicht die Krankheit selbst, sondern die Kombination mit den Lebensbedingungen der meisten Leute und den finanziellen Möglichkeiten.
Wegen Fieber geht hier niemand zum Arzt. Die Symptome von Dengue sind den meisten Leuten nicht bekannt und wenn sich Komplikationen ergeben, kann es schon zu spät sein.
Als deutsche Familie, die sich vorher über die Krankheit informiert und weis, wann ein Arztbesuch angebracht ist und auch die vorhandenen Medikamente bezahlen kann, ist Dengue kein Grund, nicht nach Py zu kommen. (Das ist zwar nur meine Meinung, aber ich halte nichts davon unnötig Panik zu verbreiten)
Als Lehrerin ist Dir bestimmt auch bewusst, wieviel Deine Kinder von den 2 Jahren provitieren können. Die Erlebnisse und Erfahrungen, zu denen sie in D keinen Zugang hätten, solltest Du auch in die Waagschale werfen.
Zu den vielen Tieren könnte ich Dir auch Einiges schreiben, ich möchte Dich aber nicht mit zuviel Informationen überfüllen. Nur soviel erstmal: Die Gefahr geht von der Unwissenheit aus. Wichtig ist es in erster Linie, die Tierwelt kennen zu lernen und sich mit ihr zu beschäftigen. Erst einmal hat jeder Angst vor allem, was er nicht kennt. Wenn man sich informiert und vor Ort mit den Einheimischen spricht, relativiert sich Vieles. Es gibt nicht viele gefährliche Tiere und die Einheimischen wissen, wo die Gefahr steckt und wie man damit umgeht.
Wenn Du noch Lust auf mehr Informationen hast, können wir uns gerne hier noch weiter austauschen.
Muchos saludos
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Re: Als Lehrerin mit Familie nach Paraguay gehen?

Beitragvon energie » Mo 5. Sep 2011, 02:14

Hallo Cecillia,
Bin die Frau von Energie und möchte dir ein paar klärende Worte schreiben. Ich bin 2004 und 2005 schon 5 x hier gewesen. Bei meinem ersten Besuch, ganz klar mit dem Ziel, hier in Py als Lehrerin zu arbeiten. Ich kenne fast jede deutschsprachige Schule hier im Land, hab dann aber zu lange gezögert und war anschließend über die Altersgrenze von damals 47 Jahren. Ich habe es schon so oft bereut, dass ich diesen Schritt damals nicht durchgezogen habe. Gut, meine Kinder brauchten ihre Mama noch. Sie waren beide mitten im Studium oder kurz vor dem Abi und waren auch auf meine finanzielle Unterstützung angewiesen. Seit etwas mehr als 1 Jahr leben wir nun hier, die Kinder sind in Deutschland und ich hoffe, dass sie sich bald entschließen auch hier her zu kommen. Das Land und das Leben hier haben ihre zwei Seiten. Je nach dem, welche Ansprüche und Erwartungen man an sein neues Leben stellt. Für uns hat es einen sehr hohen Qualitätsgewinn. Es lebt sich hier viel ruhiger, die Natur ist super, und täglich entdeckt man was absolut Neues.

Es gibt auch Leute hier, die vermissen, Shopping, Events und Action und kulturelle Highlights. Die werden hier auf Dauer nicht glücklich und schon gar nicht im Chaco. Der Chaco hat seinen ganz besonderen Reiz, aber es ist wenig los. Da kann man nicht mal schnell durch das Shoppingcenter schlorchen und mit schick Essen gehen sind die Möglichkeiten doch sehr gegrenzt. Aber was es dort gibt, macht Sinn und ist qualitativ hochwertig. Was auch durchaus mit der Lebensphilosophie der Mennos zu tun hat. Sie leben in jeder Hinsicht einfach etwas bewusster und nachhaltiger. Ich bin zwar keine Mennonitin, aber ich habe mich auch damit auseinander gesetzt und hätte kein Problem damit. Bist du selbst Mennonitin? Wenn nicht, dann beschäftige dich mal damit, es lohnt sich. Sie haben viele gute Ansätze und setzen sie auch um.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass deine Kinder davon provitieren und dass sie sich auch dort wohlfühlen könnten. Sie lernen eine neue Kultur kennen, lernen schon sehr früh spanisch (damals wurde darüber nach gedacht, ob nicht auch in jeder deutschen Schule, Spanischunterricht als Pflichtfach unterrichtet werden sollte. Was daraus geworden ist weiß ich jetzt nicht. Habe mich darum nicht mehr gekümmer.) Es gibt auch die Möglichkeiten deine Kinder an der Fernschule über das Goethe Institut, zuhause zu unterrichten. Auf der Seite findest du die Angaben oder frag mal dort nach. Die Fächer sind so ausgewählt, dass sie dem deutschen Lehrplan entsprechen und werden als Schuljahre anerkannt, so dass deine Kinder keine Jahre verlieren.

Tja, das mit der medizinischen Versorgung ist Ansichtsache. Der Sohn von unseren Freunden hatte kürzlich einen Modoradumfall und hatte mehrere Wirben im Lendenbereich gebrochen. Keiner glaubte, dass er je wieder laufen kann. Im Unfallkrankenhaus hier in ASU haben Sie seine Wirbenl wieder zusammengenagelt, so das er in etwa einem Jahr wieder vollständig laufen kann. So schlecht sind die Ärzte hier auch wieder nicht. Schon gar nicht die Krankenhäuser und Krankenstationen, die die Mennos betreiben. Sie genießen hier einen sehr guten Ruf, denn sie sollen sehr sauber sein. Dass in Chaco nicht jeder Facharzt da sein kann ist wohl klar, deshalb werden spezielle Fälle dann in ASU weiter behandelt. Und mit deiner Absicherung, die du aus Deuschland als Programmlehrer oder Auslandsdienstlehrkraft mitbringst, sind die Kosten für private Behandlungen keine Problem.

Nun zum Thema Dengue. Dengue ist nicht wirklich gefährlich, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Eine Kollegin aus Bayern hat sich Dengue in Ägypten, in einem 5 Sterne Hotel geholt. Da muss man nicht erst nach Py kommen, das kann man auch in Südeuropa bekommen. Wenn hier der Notstand ausgerufen wird, dient es in erster Linie dazu, die Leute, und das medizinische Personal dafür zu sensibilisieren. In Deutschland wenn Notstand ausgerufen wird, will man in erster Linie viel Impfstoff verkaufen. Denn Porbleme, gibt es nur dann, wenn die Menschen nicht rechtzeitig zum Arzt gehen, denn das kostet ja Geld. Bei Grippe mit Fieber ist Vorsicht angesagt. Dann lieber mal zum Arzt gehn und Blut auf Dengue untersuche lassen Darüber hat ja schon mein Mann ausführlich geschrieben. Gelbfieber und Malaria sind kein Thema hier. In Brasilien ja, hier nicht. Tollwut und Hepatitis, am besten im Chaco anfragen. Der Chef des Hotels in Filatelfia weis darüber bestens Bescheid und ist ein sehr, sehr netter Mensch.

Wenn du große Bedenken wegen Skorpionen, Spinnen und Schlangen hast, hilft nur eine Katze. Sie sind intelligent genug, diese Tierchen zu töten und halten das Haus sauber. Katzen sind die besten Schlangentöter. Unsere Katze hat das bewiesen. Die Skorpione sind nicht so gefählich, dass sie einen Menschen im Normalfall (Ausnahmen Allergien) töten können, Es tut halt sehr weh, wie bei einem Stich von einer Hornisse. Wir leben etwa 50 km von ASU und hatten schon Kontakt mit allem. Aber das ist kein Problem, das verdirbt mir auch nicht den Spass an Gartenarbeit. Mann muss halt ein paar Dinge beachten. Mein Motto. Der Streifen 3 m um das Haus herum ist mir! und da wird sowas nicht geduldet. Drausen im Campo gibt es eine Chance schnell zu entkommen.

Muchos saludos
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